Rede unserer Landessynodalen Anita Gröh anlässlich des Weltfrauentags am 8. März 2018

Sehr geehrter Herr Präsident, hohe Synode, sehr geehrter Herr Landesbischof,

 

·       Vor 100 Jahren, 1918, haben die Frauen in Deutschland ihr Wahlrecht erstritten. Marie Jucharz, die 1919 als erste Frau in der Weimarer Nationalversammlung redete, wurde aufgrund der von ihr verwendeten Anrede „sehr geehrte Damen und Herren“ von den Herren Abgeordneten höhnisch ausgelacht.

·       Vor 70 Jahren, 1948, hat Dr. Elisabeth Selbert im Parlamentarischen Rat den Satz im Grundgesetz „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ gegen den erbitterten Widerstand des Gremiums durchgesetzt.

·       Vor 50 Jahren, 1968, hat die Württembergische Landessynode mit zwei Stimmen über der 2/3 Mehrheit die Ordination von Frauen beschlossen.
(Die Abstimmung ergab 43 Stimmen für die neue Theologinnenordnung, 11 Nein-Stimmen und 9 Enthaltungen.)

·       Vor 5 Jahren, 2013, hat die Landessynode sich eine Selbstverpflichtung gegeben, bis zum Jahr 2023 Leitungsämter paritätisch mit Frauen und Männern zu besetzen.

 

Von dieser Parität sind wir weit entfernt:

      20 % der geschäftsführenden Pfarrämter haben Pfarrerinnen inne.

      Nur in 9 Kirchenbezirken gibt es Dekaninnen, das sind 18 %.

      Auf der Ebene der Oberkirchenräte ist die Zahl der Frauen 0, das sind 0 Prozent.

 

Der einzige Erfolg ist auf der Ebene der PrälatInnen. Hier haben wir tatsächlich eine Parität. Dies ist aber für die Umsetzung unserer synodalen Selbstverpflichtung zu wenig.

Deshalb, hohe Synode und lieber Herr Landesbischof, muss es eine Selbstverständlichkeit sein, die keiner Diskussion mehr bedarf, dass bei Stellenausschreibungen für Leitungsämter der Satz enthalten ist:

„Die Bewerbung von Frauen wird begrüßt“ mit der Ergänzung, dass die Landessynode diese Selbstverpflichtung hat und sie ernst nimmt.

Dies abzulehnen mit der Begründung, es gehe um Qualifikation und nicht ums Geschlecht, ist eine Abqualifizierung von Frauen sonders gleichen.

Erstaunlicherweise wird dieses Argument der Qualifikation immer nur dann gebraucht, wenn es um Frauen geht.

Dass es möglich ist, Ämter paritätisch zu besetzen , sehen Sie jetzt bei der neuen Regierung. Selbst die CDU hat paritätisch die Ministerämter mit Männern und Frauen besetzt. Die Landeskirche bewegt sich hier auf dem Niveau der CSU, die ich jetzt hier nicht als Vorbild haben möchte.

Ich komme zu Punkt 2:

Die Gremien, die die Personalauswahl haben, sind gerade auch im kirchlichen Bereich von Männern dominiert. Und hier zeigt sich die Neigung, Personen einzustellen, die einem selbst ähnlich sind. Die Albright-Stiftung spricht hier vom Thomas-Prinzip: Der Thomas stellt den Thomas ein. So kommen jedoch weder Vielfalt noch Frauen in Leitungspositionen. Und gerade dies ist für die Zukunft einer Institution wie die Landeskirche Grundvoraussetzung.

Deshalb spreche ich mich ausdrücklich dafür aus, dass das Pilotprojekt, das Frau Kress in ihrem Bericht erwähnt hat, selbstverständlich wird und Frau Kress bei jeder Auswahlsitzung für Leitungspositionen eingeladen ist.

Ein letzter Punkt noch:

das hochgelobte Thema „Digitalisierung“ ist in unserer Landeskirche ja in Männerhand. Wenn Sie in die Steuerungsgruppe hineinschauen, finden Sie darin eine Frau, die aus einem Grund in diese AG hineingerutscht ist, den ich hier nicht öffentlich machen kann.

Wenn die Digitalisierung eine gesellschaftliche Herausforderung oder auch Chance ist, die die Landeskirche betrifft, und diese Herausforderung den jungen smarten Männern allein übertragen ist, dann darf man sich nicht wundern, wenn vieles schief läuft.

Denn das ist die Erfahrung: wenn die Mehrheit der Menschheit ausgeschlossen ist, ist auf die Dauer kein Erfolg zu erwarten.

Deshalb plädiere ich ausdrücklich dafür, dass bei solchen Arbeitsgruppen eine Parität zwischen Frauen und Männern vorhanden ist, um zu erreichen, dass mit der gebotenen Vielfalt und Abbildung der gesellschaftlichen Verhältnisse erfolgreich gearbeitet wird.

 

 

Notizen von Sommertagung der 15. Landessynode, 6. – 8. Juli 2017 in der Stadthalle Reutlingen

 

Um Gottes Willen Barmherzigkeit – Rechtfertigungslehre heute Anlässlich des Reformationsjubiläums befasste sich die Synode mit einem zentralen Anliegen der Reformation.

Rechtfertigung heute Die Rechtfertigungslehre ist höchst aktuell, so Christoph Schwöbel, Professor für Systematische Theologie in Tübingen. Die Rechtfertigung des Sünders allein durch Gott befreie von dem Druck sich ständig selbst rechtfertigen zu müssen. In einer unübersichtlichen Welt gebe es eine unstillbare Gier nach Anerkennung und einen Drang zur Rivalität. Dauernd stünden wir vor Tribunalen. Fragen wie: „Sie haben keine Kinder?“, „Gehen Sie ins Fitnessstudio?“, „Wo kaufen Sie Ihre Kleidung?“, „Fahren Sie einen Diesel?“ ließen den Synodalen den Rechtfertigungsdruck auf die Pelle rücken. Menschen seien Mängelwesen, die durch eigene Anstrengung ihre Mängel beheben wollten. Moderne Götzen wie der Markt oder mediale Aufmerksamkeit versprechen letztgültige An-erkennung. Das sei weder möglich noch nötig, weil wir vor Gott schon letztgültig anerkannt sind. Dezidiert kritisiert Schwöbel, dass sich heute die ökonomische Marktlogik in alle Lebensbereiche drängt. Der Vortrag wird in den nächsten Tagen auf der Homepage der Landeskirche online gestellt. Die Thesen siehe: www.elk-wue.de/fileadmin/Downloads/Wir/Synode/2017/02_Sommertagung/Berichte_und_Reden/TOP_15_-_Schwerpunkttag_-_Christoph_Schwoebel.pdf

Barmherzigkeit als zentraler Begriff der Bibel – Bibelarbeit „Wenn jemand die Geschichte Gottes mit den Menschen erzählen wollte und hätte das Wort Barmherzigkeit nicht, könnte er die Geschichte gar nicht sinnvoll erzählen.“ So begann Simone Sinn die Bibelarbeit zum Magnifikat (Lukas 1). Die promovierte Theologin ist Studienleiterin für öffentliche Theologie und interreligiöse Beziehungen beim Lutherischen Weltbund. Anders als die sonstigen Zuschreibungen sieht Sinn die biblische Maria als Theologin. Sie hat erfahren, wie Gott sie ansieht. Das war ihr „theologisches Aha-Erlebnis“. Maria zeigt, vor Gott ist der Mensch „in fröhlicher Passivität“, wie Simone Sinn mit Verweis auf Luthers Auslegung des Magnifikat betont. Gott wende sich denen in der Tiefe zu – diametral der menschlichen Neigung entgegengesetzt, sich am Hohen und Mächtigen zu orientieren und unentwegt nach oben zu blicken. Viel zu oft werde diese existentielle Dimension des Glaubens heute individualisiert und privatisiert. Gott wendet sich der Welt zu. Marias Lobgesang nennt dafür Religion, Weisheit, Kultur, die politische Macht und die Wirtschaft. Geißelte Luther zuallererst die hochmütigen Gelehrten, weil sie sich in alle Fasern des Lebens drängten, so sei heute eine gewisse ökonomische Logik zur Leitideologie geworden. Dem gelte die christliche Kritik. Die Gewissheit und Freude über Gottes Barmherzigkeit befreit dazu, uns in Freiheit und mit Engagement den Menschen in „Niedrigkeit“ zuzuwenden. „Seid barmherzig, wie auch eurer Vater barmherzig ist.“ Daran orientieren sich Christen in der Welt. Wir haben die zu sehen, deren Lebensperspektiven prekär sind.

 

Zur Aktualität der Rechtfertigungslehre für unsere Gesellschaft

„Der Sinn der Freiheit ist Verschiedenheit“, so Ministerpräsident Winfried Kretschmann in seinem theologischen, politischen und persönlichen Vortrag. Die Reformation habe das Bild eines Gottes, der gerecht macht, in den Mittelpunkt gestellt. Während menschliche Gerechtigkeit von einem reziproken Ausgleich ausgehe, sei Gottes Gerechtigkeit asymmetrisch. Evangelische Christen müssten sich fragen lassen, ob sie nicht allzu sehr einem Heilsindividualismus verfallen seien, so der Katholik Kretschmann. In der Politik meine „sich rechtfertigen“ oft die nachgeschobene Begründung, wenn etwas schief gelaufen ist. Demgegenüber bedeute ihm die Rechtfertigung durch Gott Freiheit. „Wenn ich als Politiker scheitere, scheitere ich noch lange nicht als Mensch und vor meinen Lieben“ so Kretschmann. Die Orientierung an Verwandtschaft, wo alle mehr oder weniger gleich seien, müsse durch die Orientierung an der Freiheit ersetzt werden. Freiheit bedeute Verschiedenheit. Wir dürften niemals nachlassen, für die Verschiedenheit der Menschen einzutreten und gleiche Rechte zu garantieren unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe oder sexueller Orientierung. Kretschmann verweist auf den Bundesratsbeschluss zur „Ehe für alle“ am selben Tag, betonte aber das Recht der Kirchen, darauf auf ihre Weise zu reagieren.

 

Die Landessynode setzt sich für ein Sexkaufverbot ein

Die Evangelische Landeskirche in Württemberg spricht sich deutlich gegen Prostitution, Menschenhandel und den damit verbundenen käuflichen Sex aus. Denn Prostitution verletzt die Menschenwürde. Die Landeskirche in Württemberg fordert, dass die jetzige Gesetzgebung erneut überarbeitet wird, und das Vorbild der Schwedischen Gesetzgebung (Freierbestrafung und Prostituiertenschutz) hierbei als Folie verwendet wird. Der Oberkirchenrat wird gebeten, diese Position in all seinen Bezügen (z. B. gegenüber dem Gesetzgeber, dem Diakonischen Werk in Deutschland und den Gliedkirchen der EKD und den württembergischen Partnerkirchen) deutlich zu machen. Darüber hinaus soll er bestehende und neue Hilfsmöglichkeiten verstärkt unterstützen und ausbauen, damit die Frauen Hilfe erfahren, die als Trafficking – Opfer in unserem Land leben und unter den Folgen der bestehenden Gesetzgebung leiden. Konkrete Vorschläge zur Hilfe sind unabdinglich. Dieser Antrag wurde mit überwältigender Mehrheit von der Landessynode beschlossen. Auf Antrag von Angelika Klingel setzte sich der zuständige Ausschuss intensiv mit der Situation von Prostituierten insbesondere nach dem neuen Prostituiertenschutzgesetz auseinandergesetzt. Klingel sieht die Versprechen des Gesetzes sämtlich nicht umgesetzt. Prostitution in hierzulande boomt, die "Kunden" kommen zu uns nach Deutschland. Junge Frauen werden alle paar Wochen in ein anderes Bordell verfrachtet. Sie haben keine Lobby, leben völlig abgeschirmt in einer Parallelwelt. Prostitution verletzt die Menschenwürde. Für Waltraud Bretzger ist die Würde des Menschen ist heute antastbar und käuflich geworden. Sie weist auf die Verbindung von Armut und Prostitution, viele Frauen würden wirtschaftlich gezwungen sich zu prostituieren. Abhilfe vor der Prostitution aus der Not schaffe nur Investitionen in Bildung, Medienbildung und Herzensbildung junger Menschen. Marina Walz-Hildenbrand kritisiert den Anspruch des geltenden Gesetzes, Prostitution geschehe selbstbestimmt. Dies sei falsch, vielmehr würden unzählige oft minderjährige Frauen zur Prostitution gezwungen. Allein die Bestrafung von Freiern verändere die Situation, das zeigen die schwedischen Erfahrungen. Dort haben sich Bewusstsein und Verhalten dank des Strafgesetzes verändert. Heute ist es in Schweden gesellschaftlich verpönt zu einer Prostituierten zu gehen. Elke Dangelmaier-Vinçon sieht die Menschenwürde insgesamt in Gefahr, wenn schon Schülerinnen auf ihren Marktwert taxiert und reduziert werden. Prostitution sei eben kein Beruf wie jeder anderer, kein Mensch darf durch einen anderen benutzt werden.

 

Partnerschaft mit Afrika – Aktuelle Stunde

Angesichts des G20-Gipfels diskutiert die Synode die Situation Afrikas, nachdem der stellvertretende Präsident Werner Stepanek seine Erschütterung und sein Mitgefühl angesichts der Gewaltexzesse in Hamburg ausgedrückt hatte. Hellger Koepff fordert einen Dialog auf Augenhöhe mit den Menschen Afrikas. Die Kirchen hätten darin über ihre ökumenischen Beziehungen jahrhundertelange Erfahrung. Afrika dürfe nicht nur Rohstofflieferant oder Müllplatz des Westens sein. Markus Mörike verweist auf die Exportüberschüsse, die von der EU nach Afrika geliefert werden und dort die lokalen Märkte zerstören. Afrika ist der Mülleimer für geringerwertiges Hühnerfleisch der EU geworden. Allein nach Südafrika werden 50.000 Tonnen exportiert und so die Existenz der dortigen Geflügelfarmen zerstört. Die Handelspolitik muss mehr Aspekte der ökologischen und sozialen Gerechtigkeit berücksichtigen. Fairer Handel bei uns muss weiter gestärkt werden, Studiengebühren auch für Studenten aus Afrika bei uns sind das falsche Signal. Für Christiane Mörk beutet der Hunger nach Rohstoffen Afrika aus. Einen Hilfsprozess für Afrika können nur die Afrikaner selbst bestimmen. Brot für die Welt setzt sich etwa für die Landrechte der Bevölkerung ein, um die Wirtschaftskreisläufe in den jeweiligen Ländern zu stärken. Nach Auskunft von Klaus Rieth, in der Landeskirche für weltweite Beziehungen zuständig, fördert Württemberg Projekte in Höhe von 1,2 Millionen. Zudem vertieften die zahlreichen Partnerschaften die Beziehungen auf Augenhöhe. Die Kirchen in Afrika wachsen. Bei allen Hilfen werde zunächst gefragt, was die afrikanischen Christen aus ihrer Sicht brauchen. Carola Hoffmann-Richter sieht die derzeitigen Initiativen vor allem durch die Flüchtlingssituation ausgelöst. Der G20 Gipfel solle wohl weniger einer nachhaltigen Entwicklung als vielmehr dem Ziel dienen, Flüchtlinge abzuhalten und Investoren die Türen zu öffnen. Sie wirbt  für eine Verstärkung kirchlicher Partnerschaften. Projekte sollten nicht über die Köpfe der afrikanischen Partner hinweg geplant und organisiert werden. Viola Schrenk erinnert an den neuen Präsidenten des Lutherischen Weltbundes, Pfarrer Dr. Musa Panti Filibus, Erzbischof der Lutherischen Kirche Christi in Nigeria, der von einem lebendigen Leben in den afrikanischen Ländern berichtet. Im globalen Süden wachsen die Kirchen, dort werde für die Kirchen in Europa Fürbitte gehalten. Auch sie wirbt für kirchliche Partnerschaften.

 

Die Offene Kirche wollte in der Aktuellen Stunde die Auswirkungen des Bundestagsbeschlusses zur „Ehe für alle“ diskutiert wissen. Präsidentin Inge Schneider lehnte dies ab. Es wurde eine Chance vertan, die Argumente beider Seiten für die Gemeinden transparent zu machen.

 

Energiemanager für die Kirchengemeinden

Die Landessynode will eine unbefristete Stelle eines Energiemanagers einrichten. Dieser soll die Datenerfassung und Auswertung des Energieverbrauchs der Gemeinden unterstützen. Ruth Bauer hat sich in der Ausschussarbeit vehement für diese Stelle als wesentlichen Baustein für den Klimaschutz eingesetzt. Die Gemeinden müssten in ihren Energiesparbemühungen nachhaltig unterstützt werden. Die Stelle generiere durch die Einsparungen mehr Mittel als sie kostet. Martina Klärle fordert weiteren Einsatz für den Klimaschutz angesichts der vielen Bremser, die weltweit auf den Plan treten. Markus Mörike bezeichnet Energiesparmaßnahmen nicht als nice to have. Die Stelle eines Energiemanagers diene der Glaubwürdigkeit der Kirche. Christiane Mörk weist nach ihren Erfahrungen als Brotbotschafterin auf die globalen Auswirkungen des Klimawandels hin.

 

Europa eine Seele geben

Die Evangelischen Kirchen sollen in einem multireligiösen und zugleich säkularen Europa erkennbar und sprachfähig werden. Dieses Ziel formulierte die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) auf ihrer jüngsten Konferenz in Bern. Dort trafen sich 100 Delegierte aus 48 Mitgliedskirchen in 17 Ländern. Wie Beate Keller (LG) und Werner Stepanek berichten, hat die europäische Vernetzung der evangelischen Kirchen untereinander für die vielen kleinen Kirchen, die in ihren Heimatländern nicht gehört und nicht wahrgenommen werden, immense Bedeutung. Europa braucht die Kirchen, die Kirchen müssen Europa im Zusammenspiel mit anderen Religionen eine Seele geben.

Personalplanung für den Pfarrdienst

Von einer stabilen Situation im Pfarrdienst berichtet OKR Wolfgang Traub. Die Zahl der Theologiestudierenden hat sich in den letzten Jahren verdoppelt. Die geplanten Aufnahmezahlen werden erreicht. Er sieht auch für die nächsten Jahre genügend Pfarrerinnen und Pfarrer für die Gemeinden. Trotz der hohen Ruhestandseintrittszahlen in den kommenden Jahren steigt die Pastorationsdichte nicht in der seither angenommenen Weise an. Im Bereich der Versorgungsleistungen und der Beihilfen besonders der älteren Pfarrerinnen und Pfarrer sieht er steigende aber zu bewältigende Kosten. Karl Hardecker macht im Namen des Theologischen Ausschusses darauf aufmerksam, dass die geplanten Aufnahmezahlen nicht immer erreicht werden. Deshalb bleibt die Werbung für das Theologiestudium nach wie vor vordringlich. Hellger Koepff fragt nach den Gründen, warum Theologiestudierende letztlich nicht in den Pfarrdienst wechseln. Auch in Zukunft müsse für die Attraktivität des Pfarrdienstes gesorgt werden.

 

Stärkung der Kirche in ländlichen Räumen

Der Studientag bei der Frühjahrssynode wurde ausgewertet, Kirche im den unterschiedlichen ländlichen Räumen soll gestärkt werden, verschiedene Initiativen wurden auf den parlamentarischen Weg geschickt. Werner Pichorner warnt allerdings vor einem Antragsaktionismus, vielmehr sollten die schon vorhandenen Ressourcen in der Landeskirche genutzt werden. Vertreter aus dem ländlichen Raum kommen im Netz zur Sprache: www.youtube.com/results.

 

Gute Finanzsituation – Mittelfristige Finanzplanung

OKR Martin Kastrup stellt die Mittelfristige Finanzplanung vor. Sie bewegt sich zwischen kurzfristig guten Steuereinnahmen und der Sorge um den Rückgang der Mitglieder, die sich über kurz oder lang deutlich auf die Steuereinnahmen auswirken wird. Von 2017 bis 2021 werden 55 neue Projekte (69,2 Mill €) und 16 neue Dauermaßnahmen (1,5 Mio. €) finanziert. Neben der notwendigen Sanierung des Dienstgebäudes des Oberkirchenrats sind Mittel für Familien, die Digitalisierung und die Kommunikationsstrategie der Landeskirche sowie das Personalmanagement vorgesehen. Für die OK kritisiert Martin Plümicke die Rekordhöhe der Rücklagen, dadurch würde den Gemeinden Geld vorenthalten. Er fordert eine Kehrtwende von einer Kirche deren heimliche Strategie die finanzielle Sicherheit ist, hin zu einer Kirche, die verantwortbar kirchliche Arbeit finanziert und bei Prognosen in die Zukunft nicht immer den schlechtesten aller denkbarer Fälle annimmt und zumindest auch auf die Kraft des Heiligen Geistes vertraut. Erste Schritte sind für ihn die Schaffung lange beantragter Stellen bei der Beauftragten für Weltanschauungsfragen, in der Hochschule für Kirchenmusik und für den interreligiösen Dialog. In der Diskussion problematisiert Martina Klärle die Grundstimmung der Sorge, als stünde für die nächsten fünf Jahre kein Geld zum Ausgeben zur Verfügung, sie fordert Ausgaben für solche Maßnahmen, die Menschen ermutigen bei der Kirche zu bleiben. Elke Dangelmaier- Vinçon will weiterhin eine faire pauschale Finanzzuweisung an die Gemeinden durch die Biberacher Tabelle. Robby Höschele spricht sich für eine kontinuierliche Förderung für die Kunst- und Kulturarbeit der Landeskirche aus, Einmalzahlungen sind nicht zielführend, denn die Stiftung Kirche und Kunst wirft derzeit nahezu keine Erträge dafür ab. Hellger Koepff setzt sich für einen klugen Spagat zwischen kurzfristiger Reaktion auf die derzeitigen guten Einnahmen und der Vorsorge für spätere Zeiten. Er fordert deutlich mehr Zuweisungen an die Kirchengemeinden. Weiter spricht er sich für Unterstützung der Kirchenbezirke aus, denen die Kindergartenkosten davonzulaufen drohen, lehnt aber eine Rückkehr in die Bedarfszuweisung ab. Angelika Herrmann verweist auf die Mitgliederentwicklung, Taufen gehen zurück, Austritte nehmen zu. Sie fordert gezielte konzentrierte Maßnahmen diesem Trend entgegenzuwirken und dabei vor allem auf Beziehungsarbeit zu setzen.

 

Nachtragshaushalt

Mit über 10 Mill. € wurde ein umfangreicher Nachtragshaushalt beschlossen. Erste Planungsmittel für die Renovierung des Oberkirchenrates wurden bereitgestellt. Die Verwaltungs- und Kirchenstrukturen sollen weiterentwickelt werden. Für die Flüchtlingsarbeit der Gemeinden anderer Sprache und Herkunft werden ebenso Mittel bereitgestellt wie für die Möglichkeit, dass Ehrenamtliche Zugang zur Plattform PC im Pfarramt erhalten.

Kurz notiert:

·         Unterstützung für Eltern in Notlagen verstärkt. Der Notlagenfonds für werdende Eltern wird von 80.000 auf 150.000 Euro pro Jahr aufgestockt. Laut Markus Mörike, Vorsitzender des Diakonieausschusses, sei es für viele in finanzieller Hinsicht ein Schock, wenn sich eine Schwangerschaft ankündigt. Das dürfe nicht sein. Schwangere Frauen in schwierigen materiellen Lebenssituationen brauchen vor allem Sicherheit und das Gefühl, dass sie und ihr Kind willkommen sind.

·         Beratung für Innovation und neue Aufbrüche. Die OK begrüßt, dass endlich in einem erweiterten Sinne von Innovation in der Kirche gesprochen wird. Neues schaffen nicht nur die von anderen dauernd ins Gespräch gebrachten neuen Gemeindeformen. Karl Hardecker weist darauf hin, dass vor allem im Rahmen des traditionellen Gemeindelebens sehr innovativ gearbeitet wird, das muss unterstützt werden.

·         Glaubenskurse sollen geweitet und mit anderen Angeboten z.B. mit Kirchenpädagogik, Volkshochschulen, Familienzentren, Friedhofsbegehungen.

·         Auf Antrag von Hellger Koepff wurde über die finanzielle Unterstützung der Leitung der Notfallseelsorgen in den Landkreisen diskutiert. In den Ausschüssen soll das für den Haushalt 2018 vorbereitet werden. Im Gespräch sind 600.000 Euro.

·         Als neuer zweiter stellvertretender Präsident wurde Johannes Eißler gewählt. Er ersetzt Wilfried Braun, der sein Amt aus Gründen der zeitlichen Belastung zur Verfügung gestellt hatte, beide gehören zum Gesprächskreis Evangelium und Kirche. Erster stellvertretender Präsident ist Werner Stepanek von der Offenen Kirche. Präsidentin ist Inge Schneider (LG).

·         Federführend von der Offenen Kirche wurden folgende Anträge eingebracht:

·         Kirchenpfleger können in Ausnahmefällen auch einer ACK-Kirche angehören

·         Mitglieder des Oberkirchenrates sollen künftig von der Synode gewählt werden.

 

Bericht: Hellger Koepff, Biberach

 

 

Notizen von Sommertagung der 15. Landessynode, 3.-6. Juli 2015 im Hospitalhof Stuttgart

Hannelore Jessen neu in der Synode
Für die Offene Kirche wurde Hannelore Jessen als neue Synodale verpflichtet. Renate Schimmel (EuK) war überraschend verstorben, Jessen rückt als Nächstplatzierte im Wahlkreis 10 (Weinsberg, Neuenstadt, Öhringen) nach. Als Industriekauffrau, Kirchenpflegerin und persönliche Mitarbeiterin eines Bürgermeisters wurde sie in den Ausschuss für Kirche, Gesellschaft und Öffentlichkeit gewählt.

 

Keine Aktuelle Stunde
Für die Aktuelle Stunde brachte die OK das Thema "Ehe für alle" ein. Dieses wurde - neben einem anderen Thema der LG - von der Präsidentin in Zusammenwirken mit dem Landesbischof abgelehnt und die aktuelle Stunde abgesetzt. Martin Plümicke und Robby Höschele haben in persönlichen Erklärungen nach Absprache im Gesprächskreis reagiert und ihren Protest ausgesprochen. Mit diesem Vorgehen werde signalisiert, es gebe für die Kirche keine aktuellen Themen oder die Kirche habe dazu nichts zu sagen. Damit wurde eine Chance vergeben, sich als Kirche öffentlich zu einer stark diskutierten Frage zu äußern.

 

Hilfe für Flüchtlinge
Wiederum nahm das maßlose Leid der Flüchtlinge breiten Raum ein. Der Oberkirchenrat Prof. Ulrich Heckel berichtete über die Hilfsmaßnahmen für Flüchtlinge in den Ländern des Mittleren Ostens mit Partnern vor Ort. Oberkirchenrat Dieter Kaufmann sprach über die Unterbringung der Flüchtlinge in den Kirchengemeinden. Einig war sich die Synode im Dank an die Kirchengemeinden und die Ehrenamtlichen, die sich hoch engagiert für Flüchtlinge einsetzen. Kontrovers waren die Akzentuierungen des Hilfeverständnisses: Die Offene Kirche nimmt mit Betroffenheit die Lage der Christen in vielen Ländern wahr, will kirchliche Hilfe aber allen Flüchtlingen unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit zugutekommen lassen, eine Konzentration auf "des Glaubens Genossen" lehnt die OK ab. Landesbischof July stellt klar, rechtsradikale Bewegungen müssten mit dem erbitterten Widerstand der Evangelischen Landeskirche in Württemberg rechnen.

 

Friedenspädagogik
Auf Initiative der Offenen Kirche wird ab 2016 eine 100%-Religionspädagogenstelle eingerichtet. Das Thema Frieden als zentrale Herausforderung unserer Zeit soll verstärkt für Religions- und Konfirmandenunterricht aufgearbeitet werden. Unterrichtsmaterialien für die Friedensbildung sollen erstellt, ein Konzept und Programme zur Qualifizierung von Religionslehrkräften für und zur Friedenserziehung erarbeitet und durchgeführt werden.

 

Kirche - mehr als Gebäude. Verkündigung durch Raum, Bild und Wort. Schwerpunkt des Thementages
Orte der Verkündigung bildeten den roten Faden des synodalen Thementages, der den ganzen Freitag füllte. Solche Orte sind einerseits die Kirchengebäude, andererseits der virtuelle Raum des world wide web. Prof. Thomas Erne, Praktischer Theologe in Marburg, betonte die hohe Bedeutung der Kirchengebäude. Weit mehr Menschen, als in den Gottesdiensten sind, nehmen die Kirchen für sich als geistliche Räume wahr. Kirchen seien "Orientierungskunstwerke". Sie "orientieren eine Stadt durch die Höhe der Türme und ihre zentrale Lage". Die Kirche brauche die Kirchen für Gottesdienste aber eben auch, weil viele Menschen darüber hinaus sie brauchen, beides müsse verbunden werden. Kirchen seien Schnittstellen, Umschlagplätze der Transzendenz, in denen gute Gastfreundschaft spürbar sein solle. Mit dem kostbaren Gut der Kirchen müsse daher sehr sensibel umgegangen werden (http://www.elk-wue.de/fileadmin/mediapool/elkwue/dokumente/landessynode/15_Sommertagung/Berichte-Reden/TOP13_Bericht_Erne.pdf).
Markus Bräuer, Oberkirchenrat und Medienbeauftragter der EKD, stellte die digitalen Orte vor. Von den klassischen Fernsehgottesdiensten in ARD und ZDF bis zu den Verkündigungsclips im Internet erreicht die Kirche Menschen. Die Zukunft der Medienentwicklung sieht Bräuer eindeutig bei den Smartphones, besonders junge Menschen nutzten höchstens private Fernsehprogramme, vor allem seien sie im Netz besonders dort unterwegs, wo sie selbst durch Rückmeldung Teil des Kommunikationsgeschehens werden könnten. Die kirchlichen Angebote und die Verkündigung müssen den neuen Formaten und Hör-/Sehgewohnheiten angepasst werden (http://www.elk-wue.de/fileadmin/mediapool/elkwue/dokumente/landessynode/15_Sommertagung/Berichte-Reden/TOP13_Bericht_Braeuer.pdf). In einer "mobilen Akademie" konnten die Synodalen je drei Projekte kennenlernen - an 19 Thementischen zu den beiden "Orten" kirchlicher Verkündigung. Deutlich wurden die Chancen in beiden Feldern, aber auch, welch neue Fragen mit der Verkündigung im Netz verbunden sind. Neben den technischen Details reicht das bis zur Frage, ob eine Fernseh- oder Internetgemeinde Abendmahl feiern kann. Mehrere Anträge, u.a. von Robby Höschele (OK) zielen darauf ab, die Felder Kunst und Kultur in der Landeskirche besser zu verankern und finanziell auszustatten. Ein Empfang für Architekten und Künstler rundete den Thementag ab.

 

Die Landeskirche geht zuversichtlich auf kommende Veränderungen zu
Mehrere Themenfelder nahmen die künftige Entwicklung der Landeskirche in den Blick:

Personalstrukturplanung für den Pfarrdienst
Es gibt keinen akuten Pfarrermangel, in den Jahren um 2015-2035 zeichnet sich jedoch ein Engpass ab. Das ergab die aktualisierte Personalstrukturplanung, die Oberkirchenrat Wolfgang Traub vorstellte. Dr. Karl Hardecker (OK), Vorsitzender des Theologischen Ausschusses, sprach sich für eine verstärkte Werbung für das Theologiestudium aus, die Kirche tue gut daran, "die Attraktivität des Pfarrberufs insgesamt im Auge zu behalten und seinem gesellschaftlichen Bedeutungsverlust entgegen zu wirken". Angesichts der um das Jahr 2030 erwarteten hohen Gemeindegliederzahlen pro Pfarrstelle diskutiert die Synode intensiv über Entlastungsmaßnahmen. Flexible Ruhestandsregelungen gehören ebenso dazu wie Entlas Dr. Karl Hardecker tung etwa im Bereich der Verwaltung. Ebenso muss verstärkt für das Theologiestudium geworben werden. Die Offene Kirche besteht auch künftig auf einer fundierten akademischen Ausbildung der Pfarrerschaft, eine gründlich reflektierte Theologie sei für eine pastorale Berufsbiographie nötig, betonte Hellger Koepff. Kerstin Vogel-Hinrichs forderte eine intensivere Begleitung der Pfarrerinnen und Pfarrer, damit der Dienst auch im fortgeschrittenen Alter noch gut leistbar sei. Andere Gesprächskreise empfehlen die Öffnung, um alternative Zugänge in den Pfarrdienst zu ermöglichen.

Mehr Geld für die Kirchengemeinden - Mittelfristige Finanzplanung 2015-2019 / Nachtragshaushalt
Bis 2019 erhalten die Kirchengemeinden in jedem Jahr mindestens 3% mehr Kirchensteuerzuweisung. Nicht zuletzt durch das lange Drängen der Offenen Kirche wurde dies im Rahmen der Mittelfristigen Finanzplanung festgelegt. OKR Dr. Martin Kastrup berichtete einerseits von einer aktuell sehr guten Kirchensteuerentwicklung, andererseits bleiben die konjunkturellen Rahmenbedingungen fragil. Besorgniserregend ist die Höhe der Austrittszahlen, erstmals hat die Landeskirche 2014 über 30.000 Mitglieder in einem Jahr verloren, über 22.000 davon entfallen auf Austritte. Mitgliederbindung und -gewinnung ist auf allen Ebenen nötig. Außerdem müssten die derzeit "fetten Jahre" für Strukturveränderungen genutzt werden. Durch die erstmals in dieser Weise erfolgte mittelfristige Festlegung erhalten die Gemeinden ausgesprochen hilfreiche Verlässlichkeit und Planungssicherheit. Elke Dangelmaier-Vinçon und Anita Gröh (beide OK) forderten darüber hinaus eine Aufstockung der Mittel des Ausgleichsstocks für Baumaßnahmen, Vertreter anderer Gesprächskreise schlossen sich dem an. Für nicht absehbare Ausgaben wurde ein Nachtragshaushalt verabschiedet.

Neue Strukturen sollen Zusammenschlüsse erleichtern
Umfangreich diskutierte die Synode, wie die kommenden Veränderungen gestaltet werden können, und gab damit Impulse für die weitere Ausschussarbeit. Eine engere Zusammenarbeit der Gemeinden soll durch Verbundkirchengemeinden ermöglicht werden, in denen ein Verbundkirchengemeinderat die wesentlichen Beschlüsse fasst. So soll es einen gemeinsamen Haushaltsplan geben und die Pfarrerinnen und Pfarrer würden gemeinsam gewählt. Das kann für künftige Pfarrpläne hilfreich sein und die gemeinsame Entwicklung in den Distrikten erleichtern. Betont wird von Oberkirchenrat und Synode die Freiwilligkeit, Gemeinden können sich zu einer Verbundkirchengemeinde zusammenzuschließen, müssen es aber nicht. Bei der Ausgestaltung sollen jedoch Anreize geschaffen werden, damit die Gemeinden auf dieses Modell setzen. Alle Gesprächskreise sehen es als dringend erforderlich an, die Verwaltungen zu stärken und dadurch die Pfarrerinnen und Pfarrer zu entlasten. Insgesamt steht die Offene Kirche für eine Stärkung der Gemeinden, wir lehnen weitere Ausweisung von Pfarrstellen für neue Aufbrüche ab. Im Strukturausschuss werden derzeit die Kriterien für den Pfarrplan 2024 erarbeitet, diese liegen noch nicht fest. Als eine der Grundsatzfragen muss noch entschieden werden, ob in den Verbundgemeinden eine Gemeinde zählt oder die ursprüngliche Zahl der Gemeinden.

Landschaften statt Inseln - die Ergebnisse der Jugendstudie werden verstetigt
Auf dreierlei Weise sollen die wichtigen Ergebnisse der Jugendstudie, die im Frühjahr der Synode vorgestellt worden war, für die nächsten Jahre fruchtbar gemacht werden. Es müsse auf allen Ebenen gelingen, die unterschiedlichen Arbeitsbereiche mit Kindern und Jugendlichen zusammenzuführen und miteinander zu vernetzen. Dazu soll eine Konzeption zur inhaltlichen, geistlichen und strukturellen Beratung, Begleitung und Vernetzung von Veränderungsprozessen in der Kinder- und Jugendarbeit von Kirchengemeinden, Kirchenbezirken und evangelischen Jugendverbänden erarbeitet werden. OK-Synodale Ulrike Sämann begrüßt die vorgelegten Anträge als wichtigen Baustein für die Weiterarbeit.

 

Reformationsjubiläum 2017 / Kirche macht was. Aus deiner Idee.
Dr. Christiane Kohler-Weiß, die Reformationsbeauftragte der Landeskirche, berichtet über den Stand der Planungen für das Reformationsjubiläum. Sie ermutigte die Gemeinden aktiv und zuversichtlich auf das Jahr 2017 zuzugehen und vor allem auch die Wirkung der Veranstaltungen in den öffentlichen Raum im Blick zu haben. In dem derzeit laufenden Ideenwettbewerb "Kirche macht was. Aus deiner Idee" stehen die ersten Gewinner fest, sie können auf der Seite www.kirche-macht-was.de eingesehen werden. Durch Plakatierung und Infomaterial, das die Pfarrämter erhalten, vor allem aber im Netz sollen Zielgruppen erreicht und zur Mitwirkung gewonnen werden, die in kirchlichen Veranstaltungen eher nicht anzutreffen sind.

 

In der EKD ist Bewegung
Die EKD-Synodalen Jutta Henrich (OK) und Eva Glock (EuK) berichteten von der Konstituierung der EKD-Synode sowie der Synoden der Kirchenbünde VELKD (lutherisch) und UEK (uniert). Derzeit wird die Grundordnung der EKD weiterentwickelt mit dem Ziel einer engeren Zusammenarbeit und vertiefter Gemeinschaft der Kirchen. Kernfrage ist, ob die lutherischen, reformierten und unierten Landeskirchen gemeinsam evangelische Kirche sein können oder nur wie derzeit eine Gemeinschaft von Kirchen. Der Änderung der EKD-Grundordnung muss auch die Württ. Landessynode zustimmen, die Beratung ist für den Herbst vorgesehen. Eingebracht von Synodalen der synodalen Arbeitsgruppe Offene Kirche verabschiedete die EKD-Synode eine Resolution zur Flüchtlingssituation im Mittelmeer. Sie benennt Punkte zu einem notwendigen europäischen Seenotrettungsprogramm, die Forderung nach einem europäischen Neuansiedelungsprogramm wie danach, dass immer auch Fluchtursachen bekämpft werden müssen.

 

Die Synode würdigt Stuttgarter Kirchentag
Pfarrer Wolfgang Kruse gab einen positiven Rückblick auf einen begeisternden Kirchentag. Das Presseecho sei großartig gewesen, Stadt und Landeskirche hätten sich als glänzende Gastgeber erwiesen. Für die Landeskirche besonders wichtig sei, dass der Christustag im Rahmen des Kirchentages stattgefunden habe. "Dass es nun wieder ein Miteinander in jeweils eigener Verantwortung gab, ist einer der großen Erfolge dieses Kirchentages", so Kruse.

 

Projektstelle für die Kirchliche Arbeit im Bereich Tourismus beschlossen
Für den Ausbau neuer Angebotsformen zur spirituellen Begleitung von Menschen im Bereich Freizeit und Tourismus hat die Landessynode eine auf vier Jahre befristete Projektstelle beschlossen.

 

Neuer Bildungsplan für den Religionsunterricht
Die Grundlinien des neuen Bildungsplanes wurden von OKR Werner Baur vorgestellt. Der Ausschuss für Bildung und Jugend hat diesen intensiv beraten und die kirchlichen Interessen gemeinsam mit der Badischen Landeskirche in den Bildungsplan des Landes eingetragen.

 

Synodenchor konstituiert
Unter der Leitung von Christiane Mörk (OK, am Klavier) gestaltet erstmals der synodale Chor die Andachten musikalisch.

Bericht: Hellger Koepff, Biberach

 

 

 

Notizen von der Frühjahrstagung 2015 der Landessynode

13.-14. März 2015 im Hospitalhof Stuttgart

10 Jahre Landesbischof Dr. h.c. Frank Otfried July
Die Präsidentin der Landessynode Inge Schneider dankt Landesbischof Dr. h.c. Frank Otfried July für zehn Jahre im Bischofsamt.
Am 11. März 2005 wurde er von der damaligen Landessynode gewählt.

Reaktionen auf die Dreifachkatastrophe in Fukushima
OKR Dr. Ulrich Heckel berichtet über die Verwendung der Hilfsgelder für die Opfer der Dreifachkatastrophe in Fukushima. 2011 hatte die Landeskirche 1 Mill. Euro zur Verfügung gestellt. Unterstützt wurden Gemeinden und kirchliche Einrichtungen vor Ort (bes. Kindergärten) wie auch die Ausbildung in Seelsorge und Traumabewältigung. Im Blick sind auch die Folgen und die Spätfolgen der nuklearen Katastrophe.

Masami Kato, Koordinatorin der Hilfsprogramme des YWCA (Christlicher Verein Junger Frauen) in Japan, berichtet über das „Second House Programm“. Dieses ermöglicht Familien aus den betroffenen Gebieten bis zu 14 Tage wenigstens zeitweise an einem sicheren Ort in Japan zu leben. Wohnungen werden angemietet, die Kosten trägt der YWCA, die Mittel aus Württemberg unterstützen dabei.
Carola Hoffmann-Richter (OK) beantragt, die Synode solle ihre Sicht auf die Nutzung von Atomenergie klären und die Maßnahmen zur Energieeinsparung in der Kirche vorantreiben. Sie verweist auf die „Erklärung der Internationalen Konferenz zur Katastrophe von Ost-Japan“, die von der Vereinigten Kirche Christi in Japan im Frühjahr 2014 veranstaltet wurde. (http://www.elk-wue.de/fileadmin/mediapool/elkwue/dokumente/landessynode/15_fruehjahrstagung/Antraege/Antrag_04-15.pdf)

Bericht zur Milieustudie Baden-Württemberg
Prof. Heinzpeter Hempelmann stellt die Grundzüge der Sinus-Milieu-Studie für die beiden Landeskirchen in Baden-Württemberg vor. Die Studie dient als Sehhilfe für die Lebenswirklichkeiten der Gemeindeglieder und ihre Erwartungen an die Kirche. Die Synode empfiehlt den Gemeinden und Bezirken sich mit den Ergebnissen auseinanderzusetzen, damit sie sprachfähig werden für möglichst viele Menschen. 54 Personen wurden in der Landeskirche für die Begleitung etwa der Kirchengemeinderäte geschult. Der Bericht von Herrn Hempelmann ist im Internet einsehbar. http://www.elk-wue.de/fileadmin/mediapool/elkwue/dokumente/landessynode/15_fruehjahrstagung/Berichte-Reden/TOP3_Bericht_Hempelmann.pdf

Innovationsfonds der Landeskirche
Der Vorsitzende des Vergabeausschusses Hans Veit informiert über diesen Fonds für neue Initiativen in Gemeinden und Bezirken. Dieser verfügt noch über Mittel, Anträge können eingereicht werden. Informationen über die Vergabebedingungen unter: http://www.elk-wue.de/arbeitsfelder/weltweite-mission/innovationsfonds/

Berichte des Oberkirchenrates
Armut und Reichtum ist zentrales Thema der Diakonie der Landeskirche, betont OKR Dieter Kaufmann, Chef des Diakonischen Werkes. Er informiert über die armutsorientierten Angebote und Initiativen auf allen Ebenen der Kirche sowie über die politischen Initiativen z.B. in der Frage der Situation Langzeitarbeitslosen. Darin dürfe nicht nachgelassen werden, weil die Schere zwischen Reichtum und Armut sich immer weiter öffne.

Weiter berichtet Kaufmann über die Situation der Flüchtlingsarbeit und berichtet von einer großen Zahl von Ehrenamtlichengruppen. Flüchtlingsdiakon/innen und die Mitarbeitenden auf den 12 Stellen in den Bezirken unterstützen dieses Engagement. Er informiert über das Kirchenasyl, hier konnte nach den Irritationen der letzten Wochen mit den staatlichen Behörden eine informelle Einigung erzielt werden. Man solle jedoch nicht ohne Beratung darauf zugehen.
Dr. Harald Kretschmer (OK) sieht das sog. Kirchenasyl als notwendig an, um in Einzelfällen Menschen vor Abschiebung in Leben bedrohende oder Menschenrechte verletzende Verhältnisse zu schützen. Es seien Schutzräume für Menschen in besonderen Notlagen. Der Rechtsstaat werde dadurch nicht in Frage gestellt, letztlich werde ihm gedient.
Markus Mörike (OK) zeigt sich beeindruckt von der außerordentlich großen Hilfsbereitschaft in den Gemeinden, wobei nicht zwischen willkommenen und unwillkommenen Flüchtlingen unterschieden werde. Handlungsbedarf sieht er bei der Unterstützung traumatisierter Flüchtlinge. Marina Walz-Hildenbrand (OK) kritisiert Wartezeiten von bis zu 18 Monaten bei der Traumabehandlung, bes. vergewaltigte Mädchen und Frauen brauchen schnellste Hilfe.

OKR Dr. Martin Kastrup erläutert den Sinn der jährlich zu erhebenden Statistikzahlen durch die Kirchengemeinden. Diese dienten der Information der Öffentlichkeit. Die Erhebung sollte weiterhin erfolgen aber vereinfacht werden durch die Nutzung der EDV.

Dialog der Religionen / 30 Millionen Euro zusätzlich für die Gemeinden beantragt
Anträge der Offenen Kirche
(alle an die Ausschüsse verwiesen)

  • Schaffung eines Rates der Religionen in Baden-Württemberg als Forum für Kontakt und Vertrauensbildung.
  • Einrichtung eines Kompetenzzentrums „Frieden und Dialog der Religionen“ bei der Evang. Akademie Bad Boll mit Einbindung des/der Beauftragten für den Dialog mit dem Judentum und dem Islam sowie des Pfarramts für Friedensarbeit. Alle Stellen sollen wieder auf 100% angehoben werden.
  • Erhöhung des Verteilbetrages aus den Kirchensteuermehreinnahmen. Nach 80 Millionen Mehreinnahmen im Jahr 2014 sollen 30 Millionen Euro den Gemeinden sofort zur Verfügung gestellt werden, der Finanzausschuss wird darüber beraten.

Weitere Anträge (alle an die Ausschüsse verwiesen):

  • Finanzielle Unterstützung (40.000 €) der Christopherus-Autobahnkapelle an der A6
  • Finanzielle Besserstellung jüngerer Pfarrer/innen durch eine sofortige Durchstufung in die stellenbezogene Besoldung.
  • Einrichtung eines Strukturfonds von 50 Mill. € für eine Unterstützung der Gemeinden bei dem Rückgang der Zahlen im Pfarrdienst.
  • Förderung neuer Gemeindeformen mit 10-15 Mill Euro für die Gründung neuer Gemeindeformen und die Förderung neuer Aufbrüche einschließlich 5 Pfarrstellen und 5 Diakonenstellen.
  • Neukonzeption der Themenfelder „Interreligiöser Dialog und Friedensarbeit“.
  • Änderung der Prädikantenordnung, damit diese auch Trauungen und Beerdigungen wahrnehmen können.

Landschaften statt Inseln – Konsequenzen aus der Studie „Jugend zählt“
Welche Schlüsse sind aus der jüngsten statistischen Untersuchung „Jugend zählt“ zu ziehen? Prof. Friedrich Schweitzer (Tübingen) sowie Verantwortliche aus den unterschiedlichen Feldern der Kinder- und Jugendarbeit der Landeskirche informierten die Synodalen. Erfreulich: Etwa ein Fünftel der Kinder und Jugendlichen werden nach wie vor von der Kirche erreicht, die absoluten Zahlen gehen jedoch zurück. Mehr als 53.000 Ehrenamtliche engagieren sich in der Landeskirche für Kinder und Jugendliche, damit hat evangelische Jugendarbeit einen im Vergleich zu anderen Anbietern hohen Betreuungschlüssel. Die Studie macht aber einmal mehr deutlich: Ehrenamt braucht das Hauptamt gerade in der Jugendarbeit.

Im Mittelpunkt aller Aktivitäten haben die Kinder und Jugendlichen zu stehen – nicht die Interessen des jeweiligen Arbeitsfeldes oder der Gemeinden. Auch hier habe die Kirche „Kirche für andere“ zu sein, betont Schweitzer. Daher müssen die unterschiedlichen Bereiche (klassische Kinder- und Jugendarbeit / musikalische Angebote / Kindergottesdienst / Konfirmandenarbeit) gemeinsam in den Blick kommen und sich gegenseitig ergänzen. Sie sollen nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Da 34% der Menschen in Baden-Württemberg einen Migrationshintergrund haben, muss Kirche junge Menschen befähigen, konstruktiv mit der Vielfalt der Kulturen und Religionen aber auch mit unterschiedlichen Lebensentwürfen umzugehen.

Kontinuierliche Gruppen sind immer noch das Markenzeichen evang. Jugendarbeit, die Bedeutung etwa einer Jungschar für die Persönlichkeitsentwicklung eines Kindes ist allerdings angesichts der Veränderungen in der Bildungslandschaft immer schwieriger zu vermitteln. Mit der schulbezogenen Kinder- und Jugendarbeit wartet ein neues Arbeitsfeld, dieses darf jedoch nicht so vom System Schule vereinnahmt werden, evangelische Jugendarbeit muss auch dort mit ihrem spezifischen Profil erkennbar bleiben. Erneut wurde die Bedeutung der Freizeiten herausgehoben, sie müssten sich verstärkt auf die Rhythmen berufstätiger Eltern im Sinne einer verlässlichen Ferienbetreuung beziehen.

Fast 25.000 Kinder und Jugendliche (bis 26) sind in Kinder- und Jugendchören, Singteams, Posaunenchören und Bands aktiv, Kirchenmusiker/innen singen schon mit Kindern in den Kindergärten, im Schulalter ist die Konkurrenz mit den Ganztagsschulen deutlich spürbar.

Kindergottesdienste gibt es in 90% der Gemeinden, in immerhin 68% findet er wöchentlich statt, 20.000 Kinder werden erreicht. Die rund 9.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter suchen neue Formen wie die Teenie-Kirche oder verstärkt erlebnisorientierte Angebote.

Die Konfirmandenarbeit bleibt ein Markenzeichen des Evangelischseins. Sie erweist sich einerseits als stabil, andererseits muss der Freiraum für den KU zunehmend gegenüber der Schule wie gegenüber den Eltern behauptet werden. Gegenüber den Überlegungen, die Konfirmandenarbeit in die Schule zu verlegen, gibt Hellger Koepff (OK) zu bedenken, dass dieser die einmalige Chance biete, Jugendlichen aus allen Schulen einen gemeinsamen Lern- und Erfahungsraum zu ermöglichen.
Konfirmandenunterricht im 3. Schuljahr (Konfi 3) erreicht neben den Kindern auch Erwachsene, sie werden in den Grundfragen des christlichen Glaubens geschult um die Konfi-3-Gruppen zu leiten. Obwohl Konfi 3 seit 15 Jahren reguläres Modell der Vorbereitung auf die Konfirmation ist, wird es lediglich in 20% der Gemeinden angeboten.

Kurse zum Glauben
In 10% der Gemeinden werden Kurse zum Glauben oder theologische Erwachsenenbildungskurse durchgeführt, das ergab eine Umfrage der Uni Tübingen. Erreicht werden allerdings eher Menschen, die der Kirche nahestehen, Kirchenferne selten. Evangelische Christen müssen aber über ihren Glauben Auskunft geben können, daher sollen alle Formen der Glaubensbildung weiter unterstützt werden. Neben den Kursen, die persönliche Anwesenheit erfordern, gibt es online-Kurse, wie auf Anregung von Dr. Waltraud Bretzger (OK) informiert wurde (z.B. http://www.spur8.de/).

Mutterkurheim in Bad Wurzach wird modernisiert
In einem Nachtragshaushalt wurden u.a. Mittel für diese gut ausgelastete und in gutem Ruf stehende evangelische Einrichtung bewilligt.

Bericht: Hellger Koepff, Biberach

 

 

 

Notizen von der Herbsttagung 2014 der Landessynode

24. bis 27. November 2014

 

Bedrängend zog sich durch die Synodaltagung die weltweite Gewalt, die Not der geschätzt 50 Millionen Flüchtlinge auf der ganzen Erde und die Situation der Flüchtlinge bei uns. Vieles, was wir gehört haben, hat alle Synodalen sehr erschüttert. Daher werden wir zunächst die Tagesordnungspunkte darstellen, die sich direkt damit befassen:

 

Situation von Flüchtlingen – Podium mit Betroffenen
Adnan Al-Barawi (Name geändert), Flüchtling aus Syrien, berichtete über den Beginn der syrischen Revolution und die zunehmende Gewalt zunächst von Seiten des Staates, dann auch der Revolutionäre. Zusammen mit seiner Familie floh er zunächst nach Istanbul, von dort weiter nach Bulgarien und nach Deutschland. Er lebt derzeit im evangelischen Pfarrhaus in Eschenbach (Dek. Göppingen).
Habip Önder, syrisch-orthodoxer Priester in Göppingen, betont, seine Gemeinde setze sich für syrische Flüchtlinge ein, unabhängig ob es Christen oder Muslime seien. Weiterhin unterstütze seine Kirche die Christen in Syrien und im Nordirak. Er drückt seine Hoffnung aus, dass Mossul (Nordirak) wieder befreit werde, dem gelten seine Gebete. Als sichere Orte für Flüchtlinge im Nahen Osten benennt er den Tur Abdin (Südosten der Türkei), hier sei die christliche Gemeinde auch durch das Engagement der Landeskirche gestärkt worden.
Annette Walter, Flüchtlingsdiakonin aus Heilbronn, arbeitet auf einer der neuen Stellen, die die Landessynode beschlossen hat, ihr Kollege Dietmar Oppermann arbeitet in Ulm. Ziel ist, die Willkommenskultur in Kirchengemeinden und Kirchenbezirken schaffen bzw. zu stärken, ehrenamtlichen Flüchtlingsgruppen zu begleiten. Themen sind oft praktische Fragen, aber auch die mit der interkulturellen Begegnung verbundenen Ängste.
Pfarrerin Karin Lindner aus Eschenbach berichtet über das dortige Pfarrhaus, in dem zwei syrische Familien wohnen. Ein breites Bündnis zwischen Kommune und Kirchengemeinde stützt die Akzeptanz auch in der dörflichen Struktur – „wenn man sich gegenseitig kennenlernt, geht es gut“. Es ist wichtig Kontakte zu schaffen, dennoch ist die Unterstützung durch Fachpersonen dringend erforderlich.
Rotraud Holzinger, Ehrenamtliche aus Eschenbach, berichtet von der hohen Akzeptanz in der Bevölkerung. Dringend erforderlich seien Sprachkurse. Von der Kirchenleitung wünscht sie sich, den Menschen zu helfen und nicht zwischen Christen und Muslimen zu unterscheiden.

 

Bericht über Verfolgungssituationen im Irak, Syrien und anderen aktuellen Krisengebieten
Kirchenrat Klaus Rieth berichtet über die aktuelle Situation im mittleren Osten und betont: „Wir werden als Landeskirche weiterhin für die Christen in dieser Region ein treuer und verlässlicher Partner sein.“ Ratlos und betroffen zeigte sich Rieth angesichts schier unendlicher religiöser Gewalt in vielen Teilen der Erde. Er gibt den Appell der Christen aus den betroffenen Ländern weiter: „Stärkt die moderaten Muslime.“ (Sein Bericht siehe: http://www.elk-wue.de/fileadmin/mediapool/elkwue/dokumente/landessynode/14_herbsttagung/Berichte-Reden/TOP13_Bericht_Rieth.pdf) Oberkirchenrat Dieter Kaufmann vom Diakonischen Werk informiert darüber, wie durch die zusätzlichen Mittel und Stellen die Begleitung der Flüchtlinge in den Gemeinden und Bezirken verbessert wird. Sie sind Bausteine zu einer erforderlichen Willkommenskultur.
Die OFFENE KIRCHE brachte sich sehr engagiert in die ausführliche und tiefgehende Debatte ein: Martina Klärle rechnet vor, bei der derzeitigen Zahlen komme auf jede Kirchengemeinde in Baden-Württemberg eine Flüchtlingsfamilie. Harald Kretschmer fragt, ob die Flüchtlinge Bedrohung oder Bereicherung seien und wirbt für letzteres. Karl Hardecker erinnert an das biblische Gebot der Gastfreundschaft, das Evangelium trage in sich die Kraft die Angst vor dem Fremden überwinden zu können, so sei ein gemeinsamer Lernweg mit den Flüchtlingen möglich. Angelika Klingel weist auf das besondere Schicksal der Frauen unter den Flüchtlingen hin, sie sind besonderer, v.a. sexualisierter Gewalt ausgesetzt und benötigen spezielle Unterstützung. Heidi Buch fordert u.a. eine stärkere finanzielle Unterstützung der Kontingentflüchtlinge durch die Politik. Angelika Herrmann regt eine Resolution an mit der Forderung nach einem UN-Mandat für den Schutz der Flüchtlinge etwa durch Korridore. Jutta Henrich berichtet über positive Erfahrungen mit der Arbeit der Flüchtlingsdiakone. Marina Walz-Hildenbrand unterstreicht die hohe Bedeutung der Kirchengemeinden in der Flüchtlingsbegleitung und weist insbesondere auf eine notwendige zeitnahe Bearbeitung von Traumatisierungen hin. Martin Plümicke unterstützt die nachdenkliche Mahnung von Walter Keppler (LG), die auf den Anteil der USA und ihrer Armee an der gegenwärtigen Situation verweist.

Die Synode verabschiedete nahezu einstimmig folgende Resolution, die maßgeblich auf die Initiative von Angelika Herrmann und Elke Dangelmaier-Vinçon zurückgeht. Alle Gesprächskreise rangen mit der Frage, mit welchen Mitteln der Gewalt begegnet werden könne – ist ebenfalls militärische Gewalt erforderlich oder fordern wir allein humanitäre Mittel:

„Die württembergische Landessynode blickt mit großer Sorge auf den seit Jahren andauernden Bürgerkrieg in Syrien und im Nordirak, der großes Leid über viele Menschen bringt.
Menschen leiden, werden vertrieben oder getötet. Doch eine schnelle, eindeutige politische Lösung ist nicht in Sicht. Beides, Eingreifen oder Nicht-Eingreifen, bedeutet schuldig zu werden und weitere Opfer hinzunehmen.
Im Wissen um diese Spannung appelliert die Landessynode dennoch an die Verantwortlichen in Politik und Kirche, alles zu tun, damit Flüchtlinge Aufnahme finden und in Sicherheit leben können. Sie dankt allen, die sich für Flüchtlinge und Kriegsopfer einsetzen. Der Schutz des Lebens und die Versorgung der Flüchtlinge haben höchste Priorität.
Wir beten um Frieden und Schutz für die Opfer von Krieg und Gewalt und um Weisheit für die Verantwortlichen.“

 

Zuwahlen
Die OFFENE KIRCHE hat zwei weitere Frauen als Synodalmitglieder:
Marina Walz-Hildenbrand und Sabine Foth, beide Rechtsanwältinnen in Stuttgart, wurde in die Synode zugewählt. Marina Walz-Hildenbrand arbeitet im Ausschuss für Diakonie mit, Sabine Foth wurde in den Rechtsausschuss entsandt. Weitere Zuwahlen galten Günter Blatz (LG) und Peter L. Schmidt (Kfm).

 

„Nach Gottes Bild geschaffen“ - Bericht des Landesbischofs
Schwerpunkt des ersten Tages bildete der Bischofsbericht zum Thema Bild und Bibel, EKD-Schwerpunktthema 2015. In einem ersten Teil stellte Landesbischof Frank Otfried July die biblischen Hoffnungsbilder gegen die derzeitigen Bilder des Schreckens. Die Digitalisierung führe zu einer Kultur des permanenten „Bilderrauschens“, in die das Evangelium eingezeichnet werden müsse. Das Evangelium mit seinem Kern „Was Christum treibet“ ermögliche die Ausdrucksformen der Kunst, begrenze aber zugleich die Macht der Bilder. In einem zweiten Teil sprach er über die Flüchtlingsfragen, die Ebola-Epidemie, Sterbehilfe, den Kirchentag und die Stellung Württembergs in der EKD (siehe http://www.elk-wue.de/fileadmin/mediapool/elkwue/dokumente/landessynode/14_herbsttagung/Berichte-Reden/TOP3_Bericht_July.pdf). In der Aussprache betonte Robby Höschele für die OFFENE KIRCHE die Bedeutung der Gegenwartskunst für die Kirche. Notwendig seien Bilder, die gewohnte und fest gewordene Sichtweisen aufbrechen. Die Bilder, die wir heute brauchen, könnten nicht die der Selbstbestätigungskunst sein. Er forderte eine verlässliche Finanzierung der künstlerischen Talentförderung, weil Kunst nicht Charity im Sinne eines Wohlfühlbeitrags sei. „Die Sprache der Bilder kann Fragen stellen …, Spannungsverhältnisse provozieren, sie kann Erfahrungsräume öffnen, die uns gut tun.“
Iris Carina Kettinger, Christiane Mörk und Elke Dangelmaier-Vinçon setzen sich für einen Ausbau der Förderung und der Zusammenarbeit zwischen Kirche und Kunst ein.

 

Personalstrukturplanung für Religionspädagoginnen und Religionspädagogen
Oberkirchenrat Werner Baur stellt die Personalstrukturplanung für die kirchlichen Religionslehrkräfte vor. Daraus geht hervor, dass der Bedarf steigt. Daher beabsichtigt die Synode die Einstellungszahlen von zwei auf vier neue Personen pro Jahr zu verdoppeln, sofern die Entwicklung weiter anhält. Amelie Hödl betont die Bedeutung des Religionsunterrichts, fordert aber attraktive Arbeitsbedingungen. Es könne nicht sein, dass eine Religionspädagogin gleichzeitig an 4-5 Schulen Religionsunterricht erteilen muss.

 

Wahl in die EKD-Synode
Die Landessynode wählte die Delegierten Württembergs in die EKD-Synode und die Gremien von UEK und VELKD – die OFFENE KIRCHE wird vertreten von Jutta Henrich (sie vertritt Württemberg auch in der VELKD), Robby Höschele (UEK) und Werner Stepanek (VELKD). Die weiteren Delegierten sind: Eva Glock von Evangelium und Kirche sowie Andrea Bleher, Tabea Dölker, Steffen Kern und Dr. Friedemann Kuttler von der Lebendigen Gemeinde.


Arbeitsrechtsregelungsänderungsgesetz
OKR Erwin Hartmann brachte ein Änderungsgesetz für die Arbeitsrechtsregelungen in Kirche und Diakonie ein. Hintergrund ist ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts, nach dem der kirchenspezifische „Dritte Weg“ zulässig ist, eine angemessene Beteiligung der Gewerkschaften aber gefordert wird. Dem soll durch die Vorlage des Oberkirchenrates Rechnung getragen werden. Insbesondere aus dem Bereich der Mitarbeitenden in der Diakonie wird ein Tarifvertrag gefordert, der zwischen Dienstgebern und Gewerkschaften ausgehandelt wird, damit verbunden wäre auch das Streikrecht.
Martin Plümicke hält den Dritten Weg für die Mitarbeitenden der verfassten Kirche für bewährt und sinnvoll. Die Marktsituation, in der Diakonische Einrichtungen stehen, erfordere in diesem Bereich jedoch andere Lösungen. Hier seien die Positionen in der OFFENE KIRCHE derzeit am Beginn des Gesetzgebungsverfahrens nicht einheitlich, er persönlich erachtet ein Streikrecht als der Kirche angemessen. Amelie Hödl betont, die Kirche profitiere durch die Übernahme des TVöD von einem ggf. erstreikten Tarifsystem, rühme sich aber andererseits aber der Streikfreiheit. Peter Reif verweist auf die Marktkonkurrenz, in der sich die Arbeit der Diakonie auch in arbeitsrechtlicher Hinsicht bewegt. Übereinstimmend forderten die Redner eine angemessene Bezahlung der sozialen Arbeit und kritisierten die Marktmacht an dieser Stelle.

 

Ausstellung „Was bleibt.“
Kirche und Diakonie haben eine Ausstellung erarbeitet. Darin bietet sich die Kirche an, Menschen zur Seite zu stehen, wenn sie ihre Nachlassfragen regeln wollen und dazu das Gespräch suchen. Helmut Liebs, Fundraiser der Landeskirche, unterstreicht ausdrücklich, die Kirche führe keine Gespräche mit der Intention Erbschaften einzuwerben. Die liebevoll erarbeitete Ausstellung kann von den Kirchengemeinden ausgeliehen werden. (siehe auch: www.geben-was-bleibt.de)

 

Aktuelle Stunde – Sterbebegleitung
Die Synode diskutiert intensiv über die aktuellen Fragen der Sterbehilfe und die Begleitung Sterbender. Einig sind sich die Synodalen, dass gute Begleitung Schwerkranker und Sterbender – medizinisch, pflegerisch und seelsorgerlich – kirchlicher Auftrag ist. Nachdenklich wurde die Sicht auf das Leben als Gabe Gottes mit der Tatsache in Beziehung gesetzt, dass bei einem kleinen Teil der Schwerkranken die Palliativmedizin keine Schmerzlinderung möglich machen kann (Harald Kretschmer sprach von etwa 5% der schwerkranken Patienten). Markus Mörike erinnerte an eine sensible Verantwortung für den Wert des Lebens angesichts der Erfahrungen in Grafeneck. Harald Kretschmer betonte, bei den genannten besonders schwer leidenden Menschen könnten nicht Inhalte von kirchlichen oder ärztlichen "Ordnungen" entscheiden, vielmehr seien ethische Einzelfallentscheidungen im Geist der Mitmenschlichkeit erforderlich. Hellger Koepff warnte vor der Gefahr ökonomisch-moralischen Drucks auf Patienten und Angehörige – die Debatte um „Sterbehilfe“ werde schließlich nicht in einem ökonomiefreien Raum geführt.

 

Rechnungsabschluss und Haushaltsplan
Von einem „einfachen“ Haushaltsplan 2015 sprachen einmütig die Vertreter des Oberkirchenrates wie der Gesprächskreise. Die finanzielle Situation der Landeskirche ist derzeit ausgesprochen gut. OKR Dr. Kastrup, der den Haushaltsplan einbrachte, sowie Martin Fritz, der Vorsitzende des Finanzausschusses, warnten jedoch für die Zukunft vor dem Rückgang der Mitgliederzahlen wie vor konjunkturellen und finanzpolitischen Risiken.
Die OFFENE KIRCHE brachte zwei Anträge zum Haushaltsplan ein.
Zum einen will sie die Friedenspädagogik in der Landeskirche fördern. Dafür soll beim ptz eine entsprechende Stelle eingerichtet werden. Dieser Antrag wurde mit inhaltlicher Unterstützung durch die ganze Synode in den Ausschuss verwiesen. Die OK hofft, dass daraus intensive friedenspädagogische Konzepte und eine entsprechende Stelle entstehen. Weiterhin wollen wir den Verteilbetrag der Kirchensteuer an die Gemeinden nicht um 3% sondern um 4% erhöht wissen, um den entsprechenden Betrag soll die einmalige Sonderzuweisung gekürzt werden. Dadurch würden die Gemeinden auch in den kommenden Jahren verlässlich einen höheren Betrag bekommen als vorgesehen. Dieser Antrag wurde von Hellger Koepff aufgrund der Erfahrungen in den Bezirken nachdrücklich unterstützt, da die Gemeinden durch die jeweiligen „überraschenden“ Mehrzahlungen in ihrer Planung verunsichert sind. Die Mehrheit der Synode folgte der Argumentation des Oberkirchenrats, der sich nicht bereit zeigte, die Kirchengemeinden mit einem auf Dauer stärker erhöhten Betrag an den Kirchensteuermehreinnahmen zu beteiligen.
In den Einzelberatungen setzten sich die Vertreter der OFFENEN KIRCHE dafür ein, die Präsenz der Kirche in den gesellschaftlichen Feldern auch weiterhin sicherzustellen und die Sonderstellen nicht überdurchschnittlich zurückzufahren.
Die Synode begrüßt die Ankündigung des Landesbischofs, weitere 2,14 Millionen Euro für die Flüchtlingsarbeit bereitzustellen. Die Hälfte davon geht in die Flüchtlingshilfe in den betroffenen Ländern, mit der anderen Hälfte wird die Begleitung der Flüchtlinge in unseren Gemeinden und Bezirken unterstützt.
OKR Hans-Peter Duncker informierte über Verhandlungen mit den Zieglerschen über eine Nutzung des Klosters Denkendorf für ein Alten- und Pflegeheim, dieses Projekt wird in der Synode kontrovers diskutiert. Der Haushaltsplan 2015 wird beschlossen.

 

Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in den Evang. Landeskirchen in Baden-Württemberg
Die Studie „Jugend zählt!“ wurde vorgestellt und der Synode, den Bezirken und den Gemeinden zur Weiterarbeit dringend empfohlen.

 

Kampagne zur Mitgliedergewinnung
Das Medienhaus und die beauftragte Agentur stellten die Grundzüge der im kommenden Jahr startenden Mitgliederkampagne vor. Die Kampagne wird im Frühjahr 2015 mit einer großen Veranstaltung gestartet.

 

Strategische Planung
Die Evangelische Landeskirche in Württemberg versteht sich „als zivilgesellschaftliche Größe und kompetente Kraft für christlichen Glauben, Menschlichkeit und gesellschaftlichen Zusammenhalt“. Dies stellte der Oberkirchenrat in der strategischen Planung dar. Daraus ergeben sich für die kommende Zeit drei Handlungsfelder, die in die folgenden Stichworte gefasst sind: „Zum Glauben einladende Volkskirche – lebens- und wohnortnah“ / „Diakonische Kirche in Leidenschaft für den Einzelnen“ / „Orientierung in reformatorischer Tradition“.
In der Debatte geben die Synodalen der OFFENEN KIRCHE u.a. zu Bedenken: Die Synode und die Kirche soll die Sprache des Volkes sprechen; die Kindergärten müssen gestärkt werden, ebenso die Seelsorge an alten Menschen; diakonische Herausforderungen sind mehr als die gewiss dringend erforderliche Hilfe für Flüchtlinge; sinnvolle Gemeindestrukturen sind erforderlich; die ökologische Verantwortung ist eine Querschnittsaufgabe; Kirche will und muss die Gesellschaft mitgestalten und sich daher in das Gemeinwesen auf allen Ebenen einmischen.

 

Martin Junge, Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes, ermutigte in seinem Grußwort die Kirchen sich gemeinsam aufzumachen, „Gottes befreiende Botschaft des Gnadengeschenks der Vergebung zu verkündigen und zu leben. Er rief zur Solidarität mit den weltweit 50 Millionen Flüchtlingen auf.

 

Alle Infos und Dokumente finden Sie auf der landeskirchlichen Homepage:
http://www.elk-wue.de/landeskirche/landessynode/herbsttagung-2014/

 

Bericht: Hellger Koepff, Biberach