"Kirche muss Stimme gegen Armut und Unrecht erheben"

Dr. Harald Kretschmer

Das Amt des Alterspräsidenten der neu gewählten württembergischen evangelischen Landessynode, dem „Kirchenparlament“, fiel diesmal dem Tübinger Delegierten Dr. Harald Kretschmer zu. Er fühle sich geehrt, die Eröffnungsrede halten zu dürfen, bekannte der 74-Jährige in der konstituierenden Sitzung am Samstag, 22. Februar in der Stuttgarter Liederhalle.


Vier Themenbereiche umriss der Tübinger Tropenmediziner, zu denen die württembergische evangelische Landeskirche in den kommenden Jahren „prophetisch Stellung nehmen“ müsse: Klimaschutz, Friedensethik, die Situation von Flüchtlingen und der Umgang mit unterschiedlicher geschlechtlicher Orientierung. Mit der Vision einer klimaneutralen Kirche engagiere sich die Landeskirche erfreulich deutlich für den Klimaschutz, lobte Dr. Kretschmer. In der Friedensethik forderte der Alterspräsident synodale Unterstützung für die landeskirchliche Kommission zur Rüstungskonversion: Kleinwaffen, die in Württemberg produziert würden, seien „Bürgerkriegswaffen schlechthin“ geworden: „Ihr Export kann als ein Geschäft mit dem Tod bezeichnet werden.“
 
Die psychosozialen Zentren der Kirchen seien „einem großen Ansturm von traumatisierten Flüchtlingen“ aus Afghanistan oder demnächst aus Syrien ausgesetzt, berichtete Dr. Kretschmer: „Wir als Landessynode werden in der vor uns liegenden Amtsperiode noch mehr unsere Stimme gegen Armut und Unrecht erheben müssen. Wir müssen das Evangelium mit klaren Worten und eindeutigen Taten verkündigen“, forderte er.
 
In der Diskussion um unterschiedliche sexuelle Orientierung, die sich jüngst an den Plänen für einen neuen Bildungsplan an baden-württembergischen Schulen entzündet hatte, sprach sich Dr. Kretschmer dafür aus, die Akzeptanz sexueller Vielfalt als einen grundlegenden Aspekt christlicher Ethik zu verstehen. Die württembergische Landeskirche sei keineswegs gegen eine Verortung des Themas Homosexualität im Bildungsplan, zeigte sich Dr. Kretschmer überzeugt.
 
Seine 90 Mitsynodalen rief Dr. Kretschmer auf: „Wir sollten unsere Ausstrahlung nicht dadurch verlieren, dass wir uns ausdauernd mit uns selbst beschäftigen. Es ist mein großer Wunsch, offen zu sein für alle Menschen, Kirche für andere zu sein.“
 
Dr. Harald Kretschmer wurde wie in der vergangenen Legislaturperiode wieder zum Vorsitzenden des Synodalausschusses für Mission, Ökumene und Entwicklung gewählt. Der Mössinger Pfarrer Dr. Martin Brändl ist wieder sein Stellvertreter. Der dritte Delegierte aus dem Wahlkreis Tübingen, der Remmingsheimer Diakon Horst Haar, ist wieder Mitglied des Ausschusses für Diakonie.
 
Die württembergische evangelische Landessynode wird bundesweit als einzige direkt von den Gemeindegliedern in Urwahl gewählt. Sie ist die gesetzgebende Versammlung der Kirchenleitung, wählt den Landesbischof und hat das Haushaltsrecht. Die Synodalen werden in Wahlkreisen für sechs Jahre gewählt. Sie tritt in der Regel dreimal pro Jahr zusammen.
 
Peter Steinle

 

Die Rede von Dr. Harald Kretschmer zur Eröffnung der 15. Landessynode:

Liebe Mitsynodale,
liebe Damen und Herren des Oberkirchenrates,
sehr verehrter Herr Landesbischof, lieber Bruder July,
liebe Ehrengäste, liebe Besucher, sehr geehrte Pressevertreter,

im Vorfeld der Wahl zu dieser 15. Landessynode  wurden wir Tübinger Kandidaten vom Moderator eines der Podien gefragt: „Unter welchem Thema wird – Ihre Wahl vorausgesetzt – Ihre erste Rede in der neuen Synode stehen?“

Nun halte ich meine erste Rede, gleichzeitig die erste Rede  eines Synodalen in der 15. Periode der Württembergischen Evangelischen Landessynode. Und ich verrate Ihnen, was ich im November spontan antwortete. Ich nahm ein Wort des Heiligen Franz von Assisi auf, das der nicht nur in seiner eigenen Kirche hoch geschätzte Papst Franziskus beim Besuch am Grab in Assisi im Juni 2013 zitierte: „Verkündet das Evangelium, wenn es sein muss, sogar mit Worten“.

Dieser Satz aus dem 13. Jahrhundert ist auch heute noch für uns, die wir Kirche des 21. Jahrhunderts gestalten dürfen, eine große Herausforderung.

Als Alterspräsident dieser sich heute konstituierenden Synode bin ich leider deren einziges Mitglied, das älter als 70 Jahre ist. Der 68 Jahre alt gewordene Forscher Wilhelm von Humboldt sagte einige Jahre vor seinem Tod: „Ich hatte mir das Alter immer interessant und viel reizvoller als die früheren Lebensepochen gedacht; und nun, da ich dahin gelangt bin, finde ich meine Erwartungen fast übertroffen.“ Sehr froh bin ich andererseits darüber, dass es in dieser Synode mehr Unter-30-Jährige gibt als in der vorhergehenden; das  jüngste Mitglied ist nur etwas mehr als ein Viertel so alt wie das älteste!

Als mir bewusst wurde, dass ich heute zur Eröffnung der Synode zu Ihnen reden sollte, fühlte ich mich geehrt. Doch sehr rasch mischte sich dieses Gefühl mit dem  der Unsicherheit: wie könnte ich am Beginn einer sechsjährigen Synodalperiode in einer 20-minütigen Rede etwas wirklich Sinnvolles und Wichtiges beitragen? So entschloss ich mich, etwas zu tun, was auch Pater Michael Lapsley tat, als er um die Übernahme des Abschlussgottesdienstes bei der Vollversammlung des Weltkirchenrates in Busan/Südkorea gebeten wurde. Er schrieb seine Freundinnen und Freunde, Menschen aller Religionen und ohne Religion an mit der Bitte, ihm ihre Gedanken zum Predigttext, der Emmaus-Geschichte mitzuteilen.

So habe auch ich bei befreundeten Protestantinnen, bei Katholiken, Atheisten, ja selbst bei jetzigen und ehemaligen Synodalen und Mitgliedern des Evangelischen Oberkirchenrats nachgefragt: „Welches sind – wenn  überhaupt noch etwas von der Kirche zu erwarten ist  –  die wichtigen Themen, denen sich unsere Kirche in den kommenden Jahren nicht entziehen darf, bei denen sie prophetisch Stellung nehmen muss?“

Es geht mir jetzt keinesfalls um eine vollständige Aufzählung der Perspektiven für den Dienst unserer Kirche. 10 davon hat Ihnen Landesbischof July bereits bei unserer Klausurtagung in der Akademie Bad Boll   vorgetragen, ich  deute   sie  deshalb  hier nicht einmal an. Es  geht mir bei den 4 Themen meiner Rede um Aussagen, bei denen ich mich  festlegen und möglichst wenig Unklarheiten lassen will.
Stichwortartig möchte ich zuvor aber noch uns allen gesetzte und von uns allen gewünschte Themen der kommenden Jahre erwähnen, so


• den Stuttgarter Kirchentag vom 3. – 7. Juni 2015, der uns Synodale gewiss in diesem Jahr schon beschäftigen wird; 

• oder das 500-jährige Jubiläum der Reformation, die ja nicht uns Deutschen und keiner Kirche allein gehört, sondern die welt-weite Christenheit daran erinnern sollte, dass Kirche permanent zu reformieren – semper reformanda – ist.

• Erwähnen möchte ich weiter, dass uns die Frage nach dem Leben im Pfarrhaus und – weiter gefasst – das christliche Familienbild in den nächsten 6 Jahren intensiv beschäftigen wird.

• Menschen, aber auch Steine werden uns beschäftigen. Ja, beides ist unser Schatz: die vielen kirchlichen Mitarbeitenden, haupt- und ehrenamtliche – und unsere oft wunderschönen Bauwerke, die uns aber auch oft zur finanziellen Bürde werden.

Dies alles wissen wir schon heute; vieles andere, was an wichtigen Themen auf uns zukommen wird, ahnen wir heute noch nicht einmal.

Auf vier der für unsere synodale Arbeit unausweichlichen Themen, die mir rückgemeldet wurden und die ich selbst wahrnehme, möchte ich, wie angedeutet, etwas ausführlicher eingehen:


1. Klimagerechtigkeit
2. Friedensethik
3. Flucht vor Armut, Hunger und unzeitigem Tod und
4. Umgang mit unterschiedlicher geschlechtlicher Orientierung.

1. Unter dem Stichwort „Bewahrung der Schöpfung“ ist Klimagerechtigkeit eins der großen Themen der nächsten Jahre. Bei der Vollversammlung des ÖRK im vergangenen November berichteten Kirchenvertreter aus dem Pazifik in sehr emotionalen, uns alle bewegenden Worten über das langsame Versinken ihrer Heimat in den Fluten des Stillen Ozeans. Unsere eigene Landeskirche engagiert sich  erfreulich deutlich in dieser Frage, sei es bei der Vision einer klimaneutralen Kirche oder sei es durch den persönlichen Einsatz unseres Landesbischofs bei der leider weitgehend ergebnislosen UN-Klimakonferenz 2009 in Kopenhagen. Die Frage der Klimagerechtigkeit wird, ähnlich wie die Frage nach dem Zugang zu Trinkwasser, mit über Frieden und Kriege in den nächsten Jahrzehnten  entscheiden.

Verkündet das Evangelium mit eindeutigen Taten …

2. Die Frage nach der evangelischen Friedensethik wird uns dringend zu beschäftigen haben, insbesondere auch nach den politischen Aussagen bei der Münchner Sicherheitskonferenz Ende Januar 2014. Helfen kann uns hierbei der ebenfalls Ende Januar dieses Jahres erschienene EKD-Text „Selig sind die Friedfertigen“, der an die grundlegende Friedens-Denkschrift aus dem Jahr 2007 anknüpft. Nikolaus Schneider sagte beim Erscheinen des Textes vor 4 Wochen: „Der Ruf zum Frieden und der Einsatz für den Frieden gehören zum Kern des Kirchlichen Auftrags. Der Text nährt grundsätzliche Zweifel, dass mit militärischer Gewalt der Weg zu einem „Gerechten Frieden“ gebahnt werden kann.“ Wir Württemberger Synodale sind in den Überlegungen zu einer Friedensethik unseren badischen Mitchristen deutlich hinterher. Die Badische Landeskirche hat im Oktober 2013 12 Konkretionen zur Frage beschlossen, was „Kirche des gerechten Friedens“ heute heißt. Unsere Landeskirche, in deren Gebiet einer der weltweit größten Hersteller und Exporteure von Kleinwaffen angesiedelt ist, geht diese Frage auch aus diesem Grunde besonders an, und sie geht ihr aus diesem Grund auch besonders aus dem Weg. Kleinwaffen sind die Bürgerkriegswaffen schlechthin geworden, ihr Export kann als ein Geschäft mit dem Tod bezeichnet werden. Wir als Synode müssen in dieser Frage initiativ werden und z. B. die landeskirchliche „Kommission zur Rüstungskonversion“ in ihrer Arbeit unterstützen, ihre Ergebnisse nachfragen und mithelfen, dass das Thema von Waffenproduktion und Rüstungsexport breit  in den Gemeinden diskutiert wird. Nur so wird sich hier etwas bewegen.

Verkündet das Evangelium, weil es sein muss, mit eindeutigen Worten.

3. Zur Frage nach dem „gerechten Frieden“ gehört auch unser Umgang mit denen, die vor Krieg und vor existentieller, lebensbedrohender Armut, vor Hunger und Tod zu uns fliehen. Aus dem Geist des Evangeliums für Menschen einzutreten, die in ihren Rechten, ihrer Würde oder ihrer Existenz bedroht sind, wird auch in den nächsten Jahren wegweisend für unsere Kirche sein. Sind  die An-den-Rand-Gedrängten, die Armen für uns Christen eine große Herausforderung, so scheint es mir, dass für Gott das größere Problem oft wir Reichen sind. Die Reichen, die Herrschenden waren es ja bereits vor 2000 Jahren, die Jesus und seine Eltern schon als kleines Kind zur Flucht trieben und ihn später der Folter unterwarfen, die er nicht überlebte. So erlitt Gott, als er zu uns kam, das radikale Geschick des Ausgeschlossenen.

Unsere Psychosozialen Zentren sehen sich einem großen Ansturm von traumatisierten Flüchtlingen ausgesetzt, z. Zt. sehr stark aus Afghanistan und demnächst vorhersehbar auch aus Syrien. In Afrika berührt uns die Situation der Menschen im Südsudan sehr, ebenso die in der Zentralafrikanischen Republik, wo christliche und islamische Milizen, wo Christen und Muslime einander bekämpfen und töten.

Die Zuwanderung aus Bulgarien und Rumänien ist  –  hier bin ich einer  Ansicht mit dem Pressedienst idea – eine große Herausforderung an uns, weil wir die unmenschlichen Lebensumstände sehen, die Menschen, insbesondere Roma zur Abwanderung bewegen. Problematisch ist die Zuwanderung aus Rumänien aber besonders deswegen, weil es viele gut ausgebildete Fachkräfte sind, die zu uns nach Westeuropa kommen, darunter in den letzten 25 Jahren 21.000 Ärzte und Zehntausende IT-Fachkräfte. Sie werden hier von Arbeitgebern und Gewerkschaften willkommen geheißen, denn sie helfen uns und unserer Wirtschaft, gehen aber ihrem Herkunftsland verloren, das sie in eine bessere wirtschaftliche und soziale Zukunft führen könnten und sollten. Wegen  dieses brain drain zu unseren Gunsten verschlimmert sich dort die Situation.

Wir als württembergische Landessynode, wir als Kirche werden in der vor uns liegenden 6-jährigen Periode noch mehr unsere Stimme gegen Armut und Unrecht erheben müssen, nicht nur mit Worten. Jesus ruft uns auf, in den Armen und Marginalisierten die Adressaten und die Träger seiner Friedens- und Liebesbotschaft zu sehen, statt daran mitzuwirken, Menschen an den Rand zu drängen. Zitat: „Die Armen haben uns vieles zu lehren. Es ist nötig, dass wir alle uns von ihnen evangelisieren lassen“, so Franziskus in völliger Übereinstimmung mit der neuen Missionserklärung des ÖRK. Eine Kultur des Heraushaltens ist uns als Christen auch in dieser Frage verwehrt. Wir müssen das Evangelium mit klaren Worten und eindeutigen Taten verkünden.      

4. Ein Thema noch, das in unserer Landeskirche z. Zt. kontrovers diskutiert wird, und das uns noch einige Jahre beschäftigen wird.

Am 17. Januar 2014 plädierte unsere Evangelische Partnerkirche in Mitteldeutschland unmissverständlich für einen offenen und unverkrampften Umgang mit dem Thema Sexualität in den Schulen. Die EKM hält es für sehr begrüßenswert, wenn diese Thematik auch in den Thüringer Bildungsplan einfließt; die Akzeptanz sexueller Vielfalt sei ein grundlegender Aspekt christlicher Ethik.

Die Stellungnahme der 4 großen baden-württembergischen Kirchen dagegen ist offenbar so missverständlich, dass in  Presse und Fern-sehen berichtet wird, die baden-württembergischen Kirchen hielten den Bildungsplan des hiesigen Bildungsministeriums für falsch – obwohl der Bildungsdezernent unserer Landeskirche  diesem Verständnis der gemeinsamen Stellungnahme der 4 Kirchen deutlich widerspricht. Ich zitiere: „Wir wenden uns mit unserer Erklärung nicht gegen eine Verortung des Themas Homosexualität im Bildungsplan für allgemein bildende Schulen unseres Landes.“ Aber man wolle, so weiter, auch Friedens- und Demokratieerziehung in gleicher Weise im Bildungsplan hervorgehoben wissen. Gut so! Warum aber drücken wir uns dann  so aus, dass wir in der Öffentlichkeit nicht verstanden werden? Gerade in Fragen der Bildung, einem urprotestantischen Thema, müssen wir als Kirche uns einbringen. Wir haben das Potential, hier etwas auszustrahlen. Von vorne herein  unmissverständliche Aussagen würden uns Synodalen, insbesondere aber der nichtkirchlichen Öffentlichkeit sehr helfen. Dazu noch einige weitere Gedanken.

Es war für mich eine große Überraschung, aber auch eine wirkliche Befreiung, als die in 19 Ländern tätige, von evangelikalen Christen getragene, weltweit größte Organisation zur Reparativen Therapie von gleichgeschlechtlich orientierten Menschen „Exodus international“ am 19. Juni 2013 ihre Auflösung bekannt gab. Sie entschuldigte sich von ganzem Herzen für den – Zitat –  „verheerenden Schaden“, den sie bei homosexuell empfindenden Menschen angerichtet habe, ohne überzeugende Belege für die Wirksamkeit ihres Heilungsansatzes vorlegen zu können. Den Schaden sah die aufgelöste Organisation selbst in schwersten seelischen und körperlichen Störungen bis hin zu exogenen Psychosen und Suiziden. Umso bemerkenswerter die Worte des letzten Präsidenten von Exodus international, Pastor Alan Chambers: „Es ist merk-würdig, jemand zu sein, der selbst durch die kirchliche Behandlung gleichgeschlechtlich Veranlagter geschädigt wurde, aber gleichzeitig der zu sein, der sich dafür entschuldigen muss, dass er Teil dieses ignoranten Systems war.“

Zu dieser Frage sagte der schon im Beginn meiner Rede zitierte weiße südafrikanische Pater Lapsey, der wegen seiner Anti-Apartheid-Haltung Opfer einer in  christlichen Magazinen verborgenen Briefbombe wurde und beide Hände, ein Auge und das Gehör auf einem Ohr verlor und heute Leiter des südafrikanischen Kirchlichen Instituts zur Heilung von Erinnerungen ist – zu dieser Frage gleichgeschlechtlicher Partnerschaften sagte Pater Michael Lapsey im Abschluss-Gottesdienst der ÖRK-Vollversammlung: „In den letzten Jahren haben sich viele unserer Glaubensgemeinschaften bei Fragen der Sexualität gespalten. Manche würden vielleicht sagen, dass dies zweitrangig ist angesichts von Krieg und Armut. Das ist wahr. Aber wenn dies ein Thema ist, das wenigstens 1%, wahrscheinlich aber 4 – 5%, also etwa 400 Millionen  Menschen auf unserem Planeten betrifft, kann es dann wirklich zweitrangig sein? Heute möchte ich als Christ, als Priester allen in der Gemeinschaft der gleichgeschlechtlich Orientierten sagen, dass ich unsere Rolle als religiöse Menschen an dem Schmerz, den sie über Jahrhunderte hinweg erlebt haben, zutiefst bedaure. Ich habe den Traum, dass ich noch zu meinen Lebzeiten hören kann, wie alle Führungspersonen aller unserer großen Glaubenstraditionen sich auf gleiche Weise entschuldigen. Für mich ist bei der Interpretation von Gottes Wort die Frage: Glauben wir, dass die Offenbarung mit dem Ende des Kanons der Heiligen Schrift abgeschlossen ist, oder führt uns der Heilige Geist Gottes auch heute noch zu aller Wahrheit?“

Dieses  lange Zitat gibt sehr klar die Meinung der übergroßen Zahl der Teilnehmer an der Vollversammlung des ÖRK, der Delegierten der EKD wie auch die Meinung unserer württembergischen Beobachtergruppe wieder.

Verkündet das Evangelium, wenn es ein muss, sogar mit Worten. Es ist mein großer Wunsch, in den Sie wohl alle einstimmen werden, dass wir daran mitwirken,  in uns und unserer Kirche Gottes Wort, Jesu Wort reichlich wohnen zu lassen, offen zu sein für alle Menschen, Kirche für andere zu sein; oder wie Dietrich Bonhoeffer 1933  an anderer Stelle schrieb: „Die Kirche ist den Opfern jeder Gesellschaftsordnung in unbedingter Weise verpflichtet, auch wenn sie nicht der christlichen Gemeinde zugehören.“ Liebe Synodale, wir sollten unsere Ausstrahlung nicht dadurch verlieren, dass wir uns ausdauernd mit uns selbst beschäftigen.

„So übel nicht, aber wer will heutzutage etwas von der Wahrheit wissen?“  antwortet in Wolfgang Borcherts Drama „Draußen vor der Tür“ der Regisseur auf die Klage Beckmanns, wem er die Verantwortung, die ihn nicht schlafen lasse, zurückgeben könne. In den Jahren nach dem von uns Deutschen vor 75 Jahren verbrecherisch begonnenen Weltkrieg war für uns, die damals junge Generation, dieses Drama mit seinen existentiellen Fragen verstörend wichtig.

Liebe Synodale, liebe Mitglieder des Oberkirchenrats: Wie hören wir als Synode, als Kirche bei den vielen uns heute umgebende Wirklichkeiten die Wahrheit, von welcher der in Palästina geborene und aufgewachsene Jude Jesus sagt, er sei sie? Seiner Aussage wollen wir vertrauen und in unserer Arbeit der kommenden Jahre auf Gottes Geleit, auch auf seine Vergebung bauen. Lassen Sie uns als Kirche, die sich nicht sich selbst verdankt, einen sicheren und klaren Weg sowohl der Spiritualität, der Frömmigkeit wie auch der Weltzugewandtheit gehen.  Lassen Sie uns alle in unserer württembergischen Kirche nicht verzagt, sondern groß denken. Ich wünsche mir, dass wir weiterhin gemeinsam Kirche des Volkes für das Volk sind im Sinne einer gesellschaftlich engagierten Kirche, die ihre Botschaft von der freien Gnade Gottes „an alles Volk“ auszurichten hat. Dieser Synode wünsche ich bei ihren Tagungen und Entscheidungen Gottes Geistesgegenwart und Segen.

Werner Stepanek, 1. stellvertretender Präsident der 15. Landessynde

Werner Stepanek zum 1. stellvertretenden Präsidenten gewählt

Zum 1. stellvertretenden Präsidenten der 15. Landessynode wurde Werner Stepanek gewählt. Der Landessynodale der Offenen Kirche aus dem Wahlbezirk 16 (Göppingen-Geislingen) bekam von 90 abgegebenen Stimmen 79 Ja-Stimmen, 4 Nein-Stimmen und 7 Enthaltungen. Dieses Wahlergebnis zeigt seine hohe Reputation in der Landessynode.

Die Landessynode tagt

Der Finanzausschuss konstituiert sich

5 Mitglieder der Offenen Kirche sind im Finanzausschuss: Elke Dangelmaier-Vincon, Angelika Hermann, Angelika Klingel, Dr. Waltraud Bretzger, Anita Gröh

Offene Kirche bei der Klausur in Bad Boll

Gesprächskreis der Offenen Kirche

Vom 17. bis 19. Januar 2014 waren die neu gewählten Landessynodale bei der Klausur in der Evangelischen Akademie Bad Boll.

 

Nominierungsausschuss tagte

Anita Gröh im Nominierungsausschuss

Entsprechend des Wahlergebnisses wurden die Aufgaben in der 15. Landessynode aufgeteilt. Die Verhandlungen für die Gesprächskreise führte der Nominierungsausschuss.

Im Nominierungsausschuss waren für die Offene Kirche:

Elke Dangelmaier-Vincon, Martin Plümicke und Anita Gröh.

 

Die Landessynodalen Werner Stepanek und Anita Gröh haben in der 15. Landessynode folgende Ämter und Aufgaben:

 

Werner Stepanek:

Erster stellvertretender Präsident der Landessynode
Mitglied im Ausschuss für Bildung und Jugend
Mitglied im Kuratorium der Evangelischen Akademie Bad Boll

Zudem ist Werner Stepanek Synodaler der EKD.

Anita Gröh:

Mitglied im Landeskirchenausschuss
Mitglied im Finanzausschuss
Vorsitzende des Ausgleichsstockes
Mitglied im Beirat für Vermögensanlagen

 

Werner Stepanek und Anita Gröh im Gespräch mit den Mitsynodalen Dr. Waltraud Bretzger und Robby Höschele bei der Klausur in Bad Boll

Notizen aus der Vorbereitungsklausur

15. Landessynode

17.-19. Januar 2013 in Bad Boll

Personalentscheidungen in der Landessynode

Nun geht die Arbeit in der Landessynode los. Auf einer Klausurtagung in Bad Boll konnten sich die neuen und die wiedergewählten Abgeordneten kennenlernen und überlegen, wer wichtige Posten übernehmen sollte. Die vorgeschlagenen Personen werden dann auf der konstituierenden Sitzung am 22.Februar gewählt.

Als Synodalpräsidentin folgt Inge Schneider auf Dr. Christel Hausding (beide LG). Die 60-jährige Pädagogin aus Schwaikheim (Rems-Murr-Kreis) leitete bisher den Finanzausschuss.

Ihre Stellvertreter im Präsidium sind Oberstudiendirektor i.R. Werner Stepanek aus Göppingen (OK) und Dekan Wilfried Braun aus Backnang (EuK).

In den Landeskirchenausschuss, der zusammen mit dem Bischof und der Präsidentin über Ernnennungen von Prälaten und Oberkirchenräten entscheidet, wurden von der „Lebendigen Gemeinde“ Ralf Albrecht, Tabea Dölker, Beate Keller und Werner Trick nominiert, von der OFFENEN KIRCHE Antia Gröh, Hellger Koepff und Peter Reif und für „Evangelium und Kirche“ Eva Glock.

In den Geschäftsführenden Ausschuss, der zwischen den Sitzungen die Landessynode vertritt, wurden Ralf Albrecht, Andrea Bleher, Matthias Hanßmann und Anja Holland von der LG, Matthias Böhler von „Kirche für morgen“, Eberhard Daferner und Sigrid Erbes-Bürkle (EuK) sowie Elke Dangelmaier-Vinçon, Jutta Henrich, Amelie Hödl und Kerstin Vogel-Hinrichs von der OK gewählt.


Bei den Ausschüssen einigte man sich auf folgende Vorsitzende:

  • Dr. Karl Hardecker (OK) für den Theologischen Ausschuss,
  • Markus Mörike (OK) für den Ausschuss für Diakonie
  • Dr. Harald Kretschmer (OK) für den Ausschuss für Mission, Ökumene und Entwicklung,
  • Dr. Christian Heckel (nach Zuwahl) für den Rechtsausschuss,
  • Michael Fritz (LG) für den Finanzausschuss,
  • Siegfried Jahn (LG) für den Ausschuss für Bildung und Jugend,
  • Franziska Stocker-Schwarz (LG) für den Ausschuss für Kirche, Gesellschaft und Öffentlichkeit.


Gesprächskreisleitung
Amelie Hödl wurde in die Gesprächsleitung gewählt, der neben ihr Elke Dangelmaier-Vinçon, Jutta Henrich und Dr. Martin Plümicke als Leiter angehören.

Vorstand - Gesprächskreis
Laut Satzung und zur besseren Zusammenarbeit ist jedes Gremium durch zwei Mitglieder im anderen vertreten. Die Synodalgruppe wählte Amelie Hödl und Dr. Harald Kretschmer als Abgeordnete in den Vorstand.


Anträge
Die Offene Kirche hat beschlossen bei der konstituierenden Sitzung zwei Anträge einzubringen, die es zum Ziel haben die Mehreinnahmen an Kirchensteuern der letzten Jahren, wie im Wahlprogramm angekündigt, verantwortlich für die kirchliche Arbeit einzusetzen.
Dabei soll der Verteilbetrag an die Kirchengemeinden kontinuierlich spürbar angehoben werden und die beschlossenen Kürzungen im gesellschaftspolitischen Bereich (z.B. beim Friedenspfarramt oder der Akademie in Bad Boll) zurückgenommen werden.

Bericht: Renate Lück, Martin Plümicke